Von der Friedensschule zur Grünewaldschule

Barackenschule auf der Großmutterwiese

Nach dem 2. Weltkrieg war die Schulraumnot in Aschaffenburg groß. Die meisten Schulen waren zerstört oder so stark beschädigt, dass sie nur noch eingeschränkt für den Unterricht genutzt werden konnten. Deshalb wurden 1945 eilig drei gebrauchte Wehrmachts-Holzbaracken vom Fliegerhorst Ringheim auf der Großmutterwiese als Notbehelf aufgestellt. In zwei dieser Baracken wurde die Friedensschule errichtet. Der Name leitet sich wohl von der Sehnsucht der unmittelbaren Nachkriegsgesellschaft nach Frieden und Ruhe ab. In der dritten Baracke war die Berufsschule untergebracht. Jede dieser Baracken fasste zehn enge Klassenzimmer, so dass auf die Friedensschule 10 Klassenzimmer entfielen. Im Laufe der Jahre wuchs diese Schule aber auf 17 Klassen mit insgesamt ca. 650 Kindern an – es blieben jedoch weiterhin nur 10 enge Klassenzimmer, so dass die Klassenstärken kaum erhöht werden konnten und Klassenzimmer doppelt belegt wurden (sogenannter Schichtunterricht). Ein Teil der Klassen wurde am Vormittag, der Rest im unmittelbaren Anschluss daran am Nachmittag unterrichtet. Die vorgeschriebene Unterrichtszeit reichte dabei weder für die Vormittags- noch für die Nachmittagsklassen. Ein durchlüften der engen und stickigen Baracken beim mittäglichen Klassenwechsel war besonders im Winter nicht möglich. So mussten die Kinder unter erbärmlichen Umständen lernen:

  • In den meisten Klassenzimmern war der Platz für Schülerbänke vollständig ausgereizt, so dasstrotz ungebremsten Schülerzustroms keine weiteren Kinder aufgenommen werden konnten.
  • Die in den Klassenzimmer provisorisch aufgestellten gusseisernen Öfen waren nicht regelbar, was zu enormen Wärmeunterschieden innerhalb der Klassenräume führte.
  • Im Sommer staute sich die Hitze in den voll besetzten Baracken (bis über 33°C), im Winter zog die Kälte durch die ungenügend isoliuerenden Fenster und Wände.
  • Ständige Erkältungskrankheiten waren die Regel.
  • Mäuse und Ratten hatten ihr Quartier unter den Holzfußböden der Baracken.
  • Die Toiletten befanden sich un unmittelbarer Nachbarschaft zu den Baracken und waren öffentlich zugänglich. Die Geruchsbelästigung erreichte auch die Klassenräume.
  • Vor allem der Nachmittagsunterricht wurde häufig durch auf der Großmutterwiese spielende Kinder gestört: Es galt als ein Spaß, den Fußball gegen die dünnen Barackenwände zu schießen.
  •  Der Holzfußboden saugte den schmelzenden, an den Schuhsohlen hängenden Schnee auf und sorgte für ein feuchtes Klima im Winter.
  • Die Feuchtigkeit drang auch von außen herein und zog sich an den Wänden im Innenraum hoch. 

Die Liste ließe sich noch erweitern. So ist es nur allzu verständlich, dass Eltern („Schulpflegschaft“) und Lehrerkollegium in Person des Schulleiters, Herrn Lindenberger, jahrelang bei der Stadt vorstellig wurden und einen unverzüglichen Schulhausneubau forderten. Doch erst nach 10 Jahren konnte dieser realisiert werden. Die neue Schule wurde dann aber nicht mehr Friedensschule genannt, sondern den Maler Matthias Grünewald gewidmet.

In einem Workshop während der Projektwoche 2015 erstellen die Kinder unter anderem Modelle aus Pappe von der Friedensschule und der Grünewaldschule. Die bisherigen Ergebnisse sehen Sie hier:

Friedensschule:

friedensschule1

Eine Skizze zur Bauart der standardisierten Wehrmachtsbaracken findet sich bei Wikipedia:

Wikipedia-Eintrag Baracke

Grünewaldschule:

gruenewaldschule1